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Geschichte Bitterfeld

 

Aus der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bitterfeld

 

Bitterfeld war seit 1815 Kreisstadt (bis 2007), wurde im Jahr 1224 erstmals urkundlich erwähnt und ist zur Zeit des Wettiners Konrad des Großen, Markgrafen von Meißen und Grafen von Brehna, gegründet worden. Viehzucht und Ackerbau, das Tuchmacherhandwerk, die Handtöpferei und die Kunst des Bierbrauens blieben über Jahrhunderte die wichtigste Erwerbsquelle seiner Bürger.

Die Chronisten berichten, dass zu jener Zeit, wo noch Tuchmacher und Töpferhandwerk und das Bierbrauen in den brauberechtigten Häusern die Lebensgrundlage der Bitterfelder Bürger bildete, innerhalb von 60 Jahren die Stadt viermal in Flammen aufging.

     

1443 am 10. Mai versetzte ein Großfeuer in Bitterfeld die Bürger in arge Bedrängnis.

1473 am 8. Mai bei Sonnenaufgang brannte die Stadt Bitterfeld durch Brandstiftung ab. Der Chronist berichtet wörtlich: "sollen nun die Abgebrannten ihre Grundstücke meistens nicht wieder an alter Stelle, sondern da aufgebaut haben, wo sich die Stadt jetzt befindet".

1481 am 4. April wird die Stadt von einer großen Feuerbrunst heimgesucht, die 36 Höfe hier selbst in Asche legte. Da die Häuser meist aus Fach- und Lehmwerk, mit Stroh bedeckt waren, bildeten sie eine stete Feuergefahr, zumal in ihnen soweit selbige vollbürgerlich bzw. brauberechtigt waren, das bürgerliche Brauen einschließlich Darren des Malzens auf Horden stattfand, was die vielen katastrophalen Feuerbrünste herbeiführte.

1501 brannte die Alte Stadt und geht dieselbe nun mehr gänzlich ein. Die Einwohner bauen sich in der Neuen Stadt an.

    

Der Feuerlöschdienst wurde damals bereits ausgeführt. Jeder Einwohner war verpflichtet bei einem ausgebrochenem Brand an der Brandstelle zu erscheinen, um beim Löschen behilflich zu sein; wozu jeder Hausbesitzer einen Wassereimer und gegebenenfalls eine Leiter mitbringen musste.

Von einer eigentlichen Organisation der Feuerwehr kann erst ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts gesprochen werden. Bis zu dieser Zeit stand der Feuerlöschdienst in Verbindung mit der Bürgerwehr.

Aus den Schäden der Großbrände klug geworden, gründete man im Juli 1860 die hiesige Freiwillige Feuerwehr aus Mitgliedern des Turnvereins, welche sich selbst ausrüsteten und besteuerten.

Im Jahr 1863 erweiterte sich die bis dahin bestehende Feuerwehr auf 80 Mann.

Ihre Bewährungsprobe bestand die damalige Freiwillige Feuerwehr bei dem Großfeuer am 10. Oktober 1890 in der "Großen Mühle" (ehemalige Kartonfabrik an der B100, Richtung Wittenberg).

In Auswertung der Brandbekämpfung wurde vom Magistrat eine Kommission gebildet, die zum 14. Dezember 1890 eine Bürgerversammlung in "Dörings Lokal" (Hotel Central) einberief. Von den dort Anwesenden erklärten sich sofort 105 Personen durch Namensunterschrift bereit, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten. Die polizeiliche Genehmigung durch den damaligen Bürgermeister erfolgte am 1. Juli 1891.

In den Jahren 1896 bis 1898 wurde der Bau eines "Spritzenschuppens" oder auch "Neubau eines Spritzenhauses" für die Stadt Bitterfeld kostenmäßig veranschlagt und auf der Hofseite des Rathauses, Eingang Ratswall, ausgeführt.

  

 

Zur Alarmierung der Feuerwehr waren 24 Feuerwehrmeldestellen eingerichtet. Der Alarm erfolgte durch Nebelhorn. Im Jahr 1907 legte man eine Schleifen-Klingelanlage für mehrere Wehrmänner an, die aber nicht zuverlässig und von langer Lebensdauer war. Als praktisch erwies sich der stille Alarm für eine Anzahl von Wehrleuten durch Telefonruf. Für den Gesamtaufruf der Wehr wird seit 1927 der Sirenenalarm angewandt.

Während des 1. Weltkrieges zählte die Wehr nur noch 56 Mann, erst 1920 erhöhte sich der Mannschaftsbestand wieder auf 106 Kameraden.

Im Jahr 1925 ist erstmals die Rede von einer modernen Autospritze und zwar ein mit 3 Atü Druck und mit einer Saugleitung kombinierten Autosprengwagen der Stadt Bitterfeld, der der Wehr zu Löschzwecken zur Verfügung stand.

1932 wurde das Feuerwehrgerätehaus auf dem Rathaushof der Stadt Bitterfeld als unzureichend angesehen. So haben die städtische Baukommission, der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses auf dem stadteigenen Platz neben der Berufsschule in der Weststraße (heute: Mittelstraße) beschlossen.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 14.08.1932 und schon am 1. Juli 1933 konnte der von dem Kameraden Schlossermeister Richard Zieger kunstvoll angefertigte Schlüssel dem Bürgermeister zur Einweihung des Hauses der Feuerwehr übergeben werden.

  

  

Gleichzeitig wurde auch die Technik verbessert. 1933 betrug die Stärke der Wehr 110 Mitglieder.

Schon 5 Jahre später, im Jahr 1938, wurde mit dem Bau eines zweiten im Hof gelegenem Feuerwehrhauses begonnen, das im September 1939 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Kurz vor dessen Fertigstellung wusste dann jeder Kamerad, wozu es gebaut worden war: Der 2. Weltkrieg war ausgebrochen. Ein Teil der Feuerwehrkameraden durfte das Feuerwehrhaus beziehen. Sie waren während des Krieges anfangs im Sicherheits- und Hilfsdienst, später im Feuerlöschdienst der Luftschutzpolizei tätig und mussten bis April 1945 ihren Luftschutzdienst verrichten. Der 2. Weltkrieg riss viele Kameraden aus den Reihen der Wehr. Zur Sicherung der Einsatzbereitschaft wurden durch eine Notdienstverordnung Bürger und Jugendliche zum Feuerlöschdienst verpflichtet.

  

 

 

 

 

Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr nach 1945

 

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde die Bitterfelder Feuerwehr vor neue Aufgaben gestellt. Ein Teil der Kameraden war aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Die Freiwillige Feuerwehr musste neu formiert werden.

Das war unter den damaligen Verhältnissen nicht ganz einfach, da die eigenen Lebensstrukturen normalisiert und die Auswirkungen des Krieges beseitigt werden mussten.

Als sich die Lage normalisiert hatte und eine Kreisstadt wie Bitterfeld nicht ohne Feuerwehr sein konnte, haben sich Oberbrandmeister Deimig und Brandmeister Stoye maßgebend für den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehr Bitterfeld eingesetzt. Es wurden alle geeigneten Kameraden herangezogen und mit etwa 30 Kameraden in vierzehntägigem Abstand Ausbildungsdienste durchgeführt. Damit war die Weiterexistenz der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Brandschutz für die Stadt Bitterfeld gewährleistet.

Mit der Gründung der DDR im Jahr 1949 wurde das Brandschutzwesen auf eine staatliche Basis gestellt. Die Feuerwehr wurde zum Schutzorgan des Staates. Grundlage waren die 1956 und 1974 erlassenen Brandschutzgesetze, die die Aufgaben, Rechte und Pflichten des Brandschutzes regelten.

Am 12. Juni 1950 wurde in Bitterfeld die Kreislöschbereitschaft (später Kommando Feuerwehr) gebildet. Damit begann für die Freiwillige Feuerwehr Bitterfeld eine schwere Zeit. Nicht nur die beiden Gerätehäuser, auch die gesamte Technik und Ausrüstung ging an die Kreislöschbereitschaft über. Nicht genug damit. Es wurden sämtliche Akten, Unterlagen, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände der Freiwilligen Feuerwehr Bitterfeld seit 1890 vernichtet, so dass die Freiwillige Feuerwehr nichts mehr besaß. Die Wehr hatte ihre Daseinsberechtigung verloren und drohte auseinanderzufallen.

Der Initiative des stellvertretenden Wehrleiters und den Jugendlichen in der Freiwilligen Feuerwehr war es zu verdanken, dass die Mannschaftsstärke nicht unter 25 Kameraden absank.

Anlässlich des 91-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Bitterfeld im Juli 1951 bekam die Wehr von der Kreislöschbereitschaft zur Durchführung einer Angriffsübung ein Löschfahrzeug LF 25 geliehen. Erst später wurde der Wehr ein Löschfahrzeug LF 15 übergeben.

Ende 1963 wurde das Kommando der Berufsfeuerwehr aufgelöst. Der Freiwilligen Feuerwehr wurde der gesamte Fahrzeugpark mit seiner umfangreichen Technik und den Gebäuden übergeben. Bei Übernahme der vollen Verantwortung am 01.01.1964 hatte die Freiwillige Feuerwehr eine Stärke von 52 Kameraden, eine Frauenbrandschutzgruppe von 10 Kameradinnen und eine Arbeitsgemeinschaft "Junge Brandschutzhelfer" mit 20 Mitgliedern.

Zielstellung durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung war, bis zum 01.05.1964 durch verstärkte Werbung, Bürger für die Freiwillige Feuerwehr zu gewinnen, um die geforderte Sollstärke von 100 Kameradinnen und Kameraden zu erreichen.

  

 

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